Drei Viertel aller Einbrüche erfolgen über Fenster — und ein ungesichertes Standardfenster lässt sich in wenigen Sekunden aufhebeln. Ob einbruchhemmende Fenster ab RC 2, Nachrüstlösungen wie Pilzkopfverriegelungen und abschließbare Griffe oder Fenstersensoren für Ihre Alarmanlage: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihre Fenster wirksam gegen Einbruch sichern.
Das Wichtigste auf einen Blick
• 75 % aller Einbrüche erfolgen über Fenster — sie sind der häufigste Schwachpunkt
• Einbruchhemmende Fenster ab RC 2 halten Einbrecher mindestens 3 Minuten auf
• Nachrüsten: Pilzkopfverriegelung + abschließbarer Griff = deutlich mehr Schutz
• 3 Sicherungspunkte pro Fenster sind optimal (Fachempfehlung)
• Teleskopstangen sind ideal für Mietwohnungen — kein Bohren nötig
• Magnetkontaktsensoren melden das Öffnen des Fensters an die Alarmanlage
So schnell geht ein Fenster-Einbruch
Wie einfach sich ein ungesichertes Fenster aufhebeln lässt, zeigt dieses Video des VdS (Vertrauen durch Sicherheit):
Wenige Sekunden — mehr braucht ein Einbrecher nicht. Die meisten Standardfenster haben keinerlei Einbruchschutz. Ein einfacher Schraubendreher reicht, um den Fensterflügel aus der Verriegelung zu hebeln.
Wichtigste Verhaltensregel: Angekippte Fenster und Terrassentüren sind eine Einladung für Einbrecher! Fenster immer vollständig schließen, wenn Sie das Haus verlassen oder schlafen.
Einbruchhemmende Fenster: Widerstandsklassen (RC)
Die Einbruchsicherheit von Fenstern wird in Widerstandsklassen (RC = Resistance Class) nach DIN EN 1627 eingeteilt. Für den privaten Bereich empfiehlt die Polizei mindestens RC 2.
|
Widerstandsklasse |
Widerstandszeit |
Verglasung |
Empfohlen für |
|---|---|---|---|
|
RC 1 N |
Grundschutz |
Standard |
Obere Stockwerke (kein direkter Zugang) |
|
RC 2 N |
3 Minuten |
Standard |
Erdgeschoss (günstigere Alternative) |
|
RC 2 |
3 Minuten |
P4A (einbruchhemmend) |
Erdgeschoss — Polizei-Empfehlung |
|
RC 3 |
5 Minuten |
P5A (hochsicher) |
Besonders gefährdete Objekte |
|
RC 4–6 |
10–20 Minuten |
Spezialglas |
Gewerbe, Hochsicherheit |
RC 2 vs. RC 2 N — was ist der Unterschied?
Beide Klassen bieten identische Beschläge und Verriegelungen. Der Unterschied liegt im Glas: RC 2 N verwendet Standardglas, RC 2 hat einbruchhemmendes P4A-Glas. Da die meisten Einbrecher das Glas nicht einschlagen (zu laut, zu riskant), ist RC 2 N oft die wirtschaftlichere Wahl.
Glasklassen: Wie sicher ist das Fensterglas?
Einbruchhemmendes Glas wird mit einer Stahlkugel (4 kg) getestet:
|
Glasklasse |
Fallhöhe |
Schutzwirkung |
|---|---|---|
|
P1A |
1,50 m |
Grundschutz |
|
P2A |
3,00 m |
Guter Schutz |
|
P3A |
6,00 m |
Hoher Schutz |
|
P4A (RC 2) |
9,00 m |
Einbruchhemmend |
|
P5A (RC 3) |
9,00 m (3×) |
Hochsicher |
Hinweis: Einbruchhemmendes Glas ist nicht dasselbe wie kugelsicheres Glas! Kugelsicheres Glas wird mit BR1–BR7 klassifiziert und ist für den normalen Privatbereich nicht erforderlich.
Fenster nachrüsten: 5 Lösungen ohne Fenstertausch
Wenn ein Fenstertausch nicht möglich ist, können Sie bestehende Fenster deutlich sicherer machen:
1. Abschließbare Fenstergriffe
Ein abschließbarer Fenstergriff verhindert, dass der Fensterflügel von außen gedreht werden kann — auch wenn der Einbrecher den Beschlag erreicht. Einfach den alten Griff abschrauben und den neuen einsetzen.
2. Pilzkopfverriegelungen nachrüsten
Pilzkopfzapfen greifen in spezielle Schließbleche und verhindern das Aufhebeln des Fensterflügels. Bei vielen Fenstern lassen sich die vorhandenen Beschläge gegen Pilzkopfverriegelungen austauschen — ohne das ganze Fenster zu wechseln.
3. Teleskopstangen (ideal für Mietwohnungen)
Ausziehbare Teleskopstangen werden von innen in die Mauerlaibung geklemmt und blockieren das Fenster komplett. Kein Bohren, keine Beschädigung — ideal für Mietwohnungen.

4. Aufschraubsicherungen
Zusätzliche Fensterschlösser werden auf den Fensterrahmen geschraubt und bieten einen extra Verriegelungspunkt. 3 Sicherungspunkte pro Fenster gelten als optimal — bei großen Fensterfronten empfehlen Fachleute eine Sicherung pro laufendem Meter.
5. Rollläden mit Hochschiebesicherung
Standardrollläden bieten keinen Einbruchschutz — sie lassen sich von außen einfach hochschieben. Erst eine Hochschiebesicherung verhindert das. Bei Neubau oder Rollladen-Austausch lohnt es sich, diese direkt einbauen zu lassen.
Bedenken Sie: Die meisten Einbrüche finden tagsüber statt — wenn die Rollläden oben sind. Rollläden sind kein Ersatz für einbruchhemmende Fenster!
Fenstersensoren: Einbruchsversuch sofort erkennen
Ergänzend zur mechanischen Sicherung können Sensoren einen Einbruchsversuch an die Alarmanlage melden:
|
Sensor-Typ |
Erkennt |
Sinnvoll bei |
|---|---|---|
|
Magnetkontaktsensor |
Öffnen des Fensters |
Alle Fenster — Standard bei Alarmanlagen |
|
Glasbruchsensor (akustisch) |
Einschlagen von Glas |
Einfachverglaste Fenster, Schaufenster |
|
Erschütterungssensor |
Aufhebelversuche (Vibration) |
Besonders gefährdete Fenster/Türen |
Magnetkontaktsensoren sind der Standard: Zwei Magnethälften — eine am Fenster, eine am Rahmen — erkennen, ob das Fenster geöffnet wird. Moderne Modelle unterscheiden sogar zwischen „gekippt" und „offen" — so können Sie im Sommer bei gekipptem Fenster schlafen, ohne Fehlalarm auszulösen.
Fazit: Mechanik + Sensorik = optimaler Fensterschutz
Die beste Fenstersicherung kombiniert mechanischen Schutz (einbruchhemmende Fenster oder Nachrüstung mit Pilzkopfverriegelung + abschließbarem Griff) mit elektronischer Überwachung (Magnetkontakt- und Glasbruchsensoren als Teil der Alarmanlage). Bereits ab 30–50 € pro Fenster für Griff + Aufschraubsicherung erhöhen Sie Ihre Sicherheit drastisch.
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Quellen: Polizeiliche Kriminalprävention · K-Einbruch Initiative · VdS Schadenverhütung